Der Autor dieses Blog war nicht der Einzige, der sich eine mediale Auszeit genommen hat. Mittlerweile ist das Sturmgeschütz des Marburger Konservatismus, der von mir hoch geschätzte Reaktionär, wieder aktiv und wartet gleich wieder mit einem sehr interessanten Beitrag auf, mit dem ich mich hier beschäftigen werde.
Der Reaktionär ist ein engagiertes Mitglied in der Kaisertreuen Jugend (ich hoffe, ich darf das schreiben). Verkürzt gesagt – und ich hoffe, ich bringe das jetzt richtig rüber – geht es darum, den Bundespräsidenten durch einen Kaiser (genauer: durch den aktuellen Thronprätendenten Georg Friedrich v. Preußen) zu “ersetzen” und die Bundesrepublik in eine konstitutionelle Monarchie nach Vorbild anderer europäischer Monarchien, wie Großbritannien, die Niederlande und Spanien, umzuwandeln, wobei all dies auf Basis des Grundgesetzes vollzogen werden soll. Um Verdachtsmomenten, die in dieser Hinsicht oft und gerne geäußert werden, vorzubeugen: Wir reden um das Deutschland in den heutigen Grenzen.
Nun kann ich persönlich mit der monarchischen Idee nichts anfangen. In meinen Augen hat sie sich schlicht und ergreifend überlebt. Es ist nicht mehr zeitgemäß, jemandem nur durch seine Familienherkunft den Job des Staatsoberhauptes anzutragen. Eines der Hauptargumente (soweit ich das überblicken kann), ist, dass ein Kaiser eine Art “nationales Symbol” wäre und der Bundespräsident im Grunde ja machtlos ist und diesen Job nicht ausfüllen kann. Das muss er aber auch gar nicht. Der deutsche Patriotismus, sofern er denn existiert, speist – polemisch gesagt - sich aus zwei Aspekten: Dem Grundgesetz und den Erfolgen der Fussballnationalmannschaft. Das kann man gut finden oder nicht, aber es wird sich auch nicht ändern, wenn wir uns morgen “Kaiserreich Deutschland” nennen würden und Georg Friedrich von Preußen, den ich im Übrigen sehr sympatisch finde und den ich mir sehr gut in einer politischen Rolle vorstellen kann, sich Kaiser Georg I. nennen würde.
Kurz gesagt: Ich lehne die monarchistische Idee ab. Dies ist mein gutes Recht, genauso wie ich Anderen das Recht zugestehe, meine Überzeugungen abzulehnen. Es gibt aber einen Unterschied zwischen Ablehnung bzw. Zustimmung und Akzeptanz. Auch die Monarchisten haben eine Daseinsberechtigung, genauso wie Sozialisten. Der Reaktionär berichtet in dem bereits erwähnten Beitrag über die Berichterstattung der Zeitung “Der Freitag” über das 2. wissenschaftliche Monarchieforum in Hechingen:
Schon der Anfang des Artikels ist bezeichnend:
“So sehen also Monarchisten aus. Die Alten sind rüstige Rentner mit Pullunder und Krawatte, essen Schwarzbrot und stehen früh auf. Die Mittelalten haben Mittelstandsbäuche und rote Adern im Gesicht. Und die Jungen sind käsig vom vielen Bücherlesen. Verpickelte und verdruckste Stubenhocker die einen, nassforsche Burschenschaftler-Burschen die anderen. Die Monarchisten sehen aus wie viele, aber sie wollen nur das eine: ihren Kaiser zurück.”(…)
Zu beachten ist aber gerade der zweite Teil des “Artikels”:
“Dann tritt Günther G.A. Märklein auf, Direktor des Bismarck-Museums in Jever. Er fordert eine „Regeneration der Geschichtskenntnis“ und eine „Rückkehr zu einem Menschenbild, wie es ist und nicht wie es sein soll“. Märklein ist gegen vieles: Gegen die Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen, gegen eine „staatenlose Weltgemeinschaft“, gegen die Ostpolitik der SPD, gegen den „Einheitsbrei eines Coca-Cola- und-McDonald‘s-Paradieses“. Die Stimmung im Saal wird schwitzig und johlend, aus überwiegend freundlichen und friedlichen Zeitgenossen sind polternde Eiferer einer neuen konservativen Revolution geworden.”Für weitere Informationen verweise ich auf den verlinkten Beitrag
Monarchisten sind per definitionem in der Mehrheit konservativ. Gerne auch rechtskonservativ. Dagegen ist nichts einzuwenden, auch wenn der Autor dieser Zeilen mit Sicherheit nicht konservativ ist, auch weil er dann wahrscheinlich enterbt werden würde. Es ist aber schon ein starkes Stück, Monarchisten in einen Topf mit rechtsradikalen Idioten zu werfen. Dazu genügt schon ein Blick in die jüngere Geschichte: Der Verschwörerkreis, der am 20. Juli 1944 versuchte, gegen Hitler zu putschen, bestand mehrheitlich aus Konservativen und Monarchisten. Natürlich kann man einwenden, dass gerade diese Gruppen sich in den dreißiger Jahren mit der Hitler-Herrschaft arrangierten und erst so in hohe militärische und politische Positionen kamen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie sich trotz Lebensgefahr gegen das Hitler-Regime auflehnten.
Das führt uns zu einem viel größeren Bereich. Monarchisten sind konservativ und Konservative sind “rechts”. Nun ist “rechts” grundsätzlich böse. Warum, weiß niemand so genau. Rechts gehört genauso zur klassischen politischen Gesäßgeographie wie links. Wenn ich aber jemanden als “rechts” bezeichne, stellt man sich denjenigen in der Regel vor, wie er in SS-Uniform im Stechschritt Lieder auf den Führer singt. Wenn ich sage, dass jemand “links” ist, dann gibt es kaum jemanden, der vor seinem inneren Auge einen stalinistischen Gulag-Aufseher mit Sowjet-Uniform sieht. Auf dem “rechten” Flügel scheint es keinerlei Schattierungen zu geben.
Das Wort “rechts” kommt also im politischen Sinne mittlerweile einer Verurteilung gleich. Das ist unfair und nicht zielführend. Wenn man schon Anhänger der klassischen Links-Rechts-Einteilung ist (ich gehöre nicht dazu), dann muss man akzeptieren, dass beide Seiten ihre Daseinsberechtigung haben und sie sich bis zu einem Punkt auch gegenseitig benötigen (nicht zuletzt auch als politischen Gegner). Auf dem “linken” Flügel gibt es viele verschiedene Ausprägungen: Grüne, Sozialisten, Sozialdemokraten, Kommunisten etc. Auf dem “rechten” Flügel ist das nicht anders: Es gibt beispielsweise Christdemokraten, Rechtskonservative, die bereits erwähnten Monarchisten und leider auch Geschichtsrevisionisten und Neonazis. Die letzteren Gruppierungen machen aber nur eine kleine Minderheit innerhalb des rechten Spektrum aus. Es ist eine Sache der Fairness, dies auch entsprechend zu würdigen. Genauso, wie es sich ein Sozialdemokrat zurecht verbitten würde, als Stalinist bezeichnet zu werden, haben Monarchisten das Recht, nicht in einen Topf mit neonazistischen Vollidioten geworfen zu werfen.
“Das Sturmgeschütz des Marburger Konservatismus”.. Vielen Dank dafür! ^^
Eigentlich ist die Idee des Monarchismus ja frei von (tages)politischen Fragen. Es gibt beispielsweise in der KJ auch genügend linksliberale Monarchisten. Und so sollte es auch sein. Die Monarchie ist für alle Staatsbürger da. Nun war das Thema des 2. Monarchieforums eben aber “Der christliche Konservatismus im Kaiserreich”. Und Herr Marklein, der Vorsitzende des Bismarckbundes, ist eben ein knallharter Konservativer. So wurde eben jetzt ein konservativer Vortrag gehalten. Für das nächste Forum überlegen wir uns gerade ein anderes Thema, evtl. etwas mit der gesellschaftlichen Lage der Juden im Kaiserreich (von denen 80.000 im Weltkrieg für Deutschland kämpften und über 35.000 ausgezeichnet wurden).
Wie gesagt, die Monarchie oder die Idee der Monarchie ist nicht per se rechts. Ein Monarch muss mit Konservativen, Sozialisten oder gar Kommunisten in der Regierung zusammenarbeiten und kann das in der Regel auch sehr gut.
Dennoch nochmal danke für die Schützenhilfe! ^^